Kultklassiker: Der Atari 2600 

Atari Video Computer System 2600

Inhaltsverzeichnis
Entwicklungsgeschichte
Wenn man heute „vom Atari“ redet, dann ist meistens die erfolgreichste Spielkonsole der 1970er und frühen 1980er Jahre gemeint, die 1977 auf den Markt gebracht wurde: Das Atari Video Computer System (Entwicklungsname „Stella“, nach der Marke des Fahrrads von Hardwareentwickler Joe Decuir), später Atari 2600 genannt. Begonnen wurde mit der Entwicklung des Grafikchips TIA bereits im März 1976 bei Cyan Engineering, einer Tochterfirma Ataris, aus dem Gedanken heraus, dass man Arcadespiele doch auch zu Hause spielen können und man dafür nicht jedes Mal eine andere Konsole kaufen müssen sollte. Technisch den späteren Konkurrenten weit unterlegen, hatte das System durch die riesige Spieleauswahl aber die meisten Käufer angesprochen. Man verpasste es allerdings, das System durch Patente schützen zu lassen, was in einem Urteil in Prozess zwischen Atari und Activision dazu führte, dass der Richter Atari dazu verurteile, das System auch für Drittanbieter zu öffnen. Atari versuchte zwar noch, mit Lizenzbestimmungen gegenzusteuern, konnte sich aber nicht mehr durchsetzen. Bis Ende 1991 wurde die Konsole technisch nahezu unverändert produziert, lediglich das Äußere und das Platinenlayout wurden im Lauf der Zeit der Entwicklung angepasst. Man unterscheidet drei Grundmodelle, die jeweils noch in verschiedenen Versionen herausgebracht wurden: das ursprüngliche Video Computer System mit der Modellnummer CX2600, erkennbar an der Holzdekorfront und den sechs Schaltern auf dem „Höcker“, das zweite Modell mit der Modellnummer CX2600A (vier statt sechs Schalter, die zweite Version dieses Modells hatte dann eine schwarze Front und hieß nun Atari 2600) und die flache Variante, die meist „Junior“ genannt wird. Eine technisch leicht modifizierte Version ist die für den japanischen Markt gedachte Konsole Atari 2800, die in Nordamerika zuvor schon als Sears Tele-Games Video Arcade II vermarktet wurde. Seit 2007 ist das Video Computer System Bestandteil der National Toy Hall of Fame in Rochester, New York, neben dem Rubik's Cube, Etch-a-Sketch und LEGO.




Aufbau des Systems
Das Video Computer System besteht im Grunde aus drei Chips: Dem Prozessor 6507, dem Peripheral Interface Adapter 6532 und dem von Atari bzw. deren Tochter Cyan Engineering entwickelten Television Interface Adapter TIA, der das Herzstück der Konsole bildet. Daneben befinden sich zwei – bei Tele-Games Video Arcade II und Atari 2800 vier – Controllerschnittstellen, der Netzteilanschluss (3,5 mm Monoklinke), der RF-Modulator sowie natürlich der Modulschacht an Bord. Zur Steuerung verfügt das System über mehrere Schalter: An/Aus, jeweils einen Schwierigkeitsgrad-Schalter pro Controlleranschluss, den Schwarz-Weiß/Farb-TV-Umschalter, den Auswahlschalter SELECT und den RESET-Taster. Bei den Modellen ab September 1978 gibt es zudem noch einen Kanalwahl-Schalter.

Prozessor
Der mit 1,19 MHz getaktete 6507 aus dem Hause MOS Technology (einer Commodore-Tochter) ist ein Derivat auf Basis des weithin bekannten MOS 6502 und besitzt statt 40 nur 28 Pins. Daher ist der Adressraum des Prozessors auch auf 8 kB begrenzt. NMI- und IRQ-Anschlüsse werden nicht herausgeführt, wodurch hardwaregesteuerte Interrupts nicht möglich sind, dazu verfügt der 6507 nur über 13 Adressleitungen, einige andere Signale fehlen ebenso. Bei Atari wurde der 6507 unter der Teilenummer C010745 geführt und später auch von ATMC und Tandon im Diskettenlaufwerk 1050 verbaut.

Television Interface Adapter (TIA)
Der von Cyan Engineering entwickelte Chip ist das Herzstück der Spielkonsole und sowohl für die Erzeugung des Fernsehbildes als auch als Zugang für die Steuerung der Hardware und für die Darstellung der Grafik verantwortlich. Er besitzt aus Kostengründen keinen eigenen Arbeitsspeicher – zur Zeit der Entwicklung lag ein Megabyte Arbeitsspeicher noch bei mehreren Zehntausend Dollar –, somit kann er die Grafik nicht speichern, sondern muss jede Bildzeile einzeln erzeugen. Die Daten dazu kommen aus Registern für die Hintergrundfarbe, einigen Registern, die die Hälfte einer Zeile repräsentieren und ab der Bildschirmmitte wieder gespiegelt oder wiederholt dargestellt werden können sowie fünf spezielle Grafikelementen:
TIA kann das Kollisionsverhalten einzelner Objekte auslesen und ausgeben. Die Register erlauben es dem Programmierer, Position und Farbe grafischer Objekte zu definieren. Auch ist der TIA dafür verantwortlich, zwei Audiokanäle für Geräusche zur Verfügung zu stellen und er ist zudem für die Eingabeabfrage zuständig. Dabei erkennt er die Signale von Digitaljoysticks oder Paddles und verarbeitet diese. Durch diese Beschränkungen ist es eine besondere Herausforderung, für das System Spiele zu entwickeln. Der TIA wurde später erweitert und als CTIA bzw. GTIA in den 8-Bit-Heimcomputern verwendet.

Peripheral Interface Adapter (PIA)
Hier kommt der Input-/Output-Timer 6532 aus dem Hause MOS Technology zum Einsatz. Er enthält auch die 128 Byte Arbeitsspeicher der Spielkonsole, zwei bidirektionale digitale 8-Bit-Ein- und Ausgänge sowie einen programmierbaren Intervalltimer. Er ersetzt somit mehrere integrierte Schaltkreise.

Controller-Schnittstellen
Das VCS besitzt zwei, das 2800-System bzw. Video Arcade II sogar vier dieser neunpoligen Anschlüsse im D-SUB-Format. Die Schnittstellen sind hotplugfähig, das heißt, dass Controller im laufenden Betrieb aus- und eingesteckt werden können – was damals alles andere als die Regel war. Die Schnittstelle setzte sich ebenfalls bei der Konkurrenz als Standard-Controllerschnittstelle durch.

Pinout der Schnittstellen:
Module und Modulschacht
Die Module verfügen über 24 Leitungen, die zu jeweils 12 Stück auf Ober- und Unterseite der Modulplatine aufgebracht sind. Im Modul befindet sich der ROM-Chip mit dem Spiel, diese haben üblicherweise eine Größe zwischen 4 und 64 kB – alles über 8 kB muss vom Prozessor mittels Bankswitching angesprochen werden.


Technische Daten
Modellinformationen
Entwicklungsbeginn 03/1976
Erstvorstellung 06/1977: VCS, 1. Version; Summer CES Chicago
01/1983: 2600A, 2. Version; Winter CES Las Vegas
05/1984: 2600 Junior; London
Markteinführung 09/1977: VCS/Video Arcade, 1. Version (USA)
07/1978: VCS/Video Arcade, 2. Version (USA)
??/1980: VCS, 2. Version (Europa)
06/1981: VCS 2600A, 1. Version
09/1982: VCS 2600A, 1. Version (USA)
09/1982: Video Arcade, 3. Version (USA)
10/1982: Video Arcade II (USA)
05/1983: 2800 (Japan)
08/1983: 2600A, 2. Version
09/1983: Polyvox 2600 (Brasilien)
10/1984: 2600 Junior, 1. Version (Europa)
10/1984: 2600 Junior, 2. Version (Europa)
06/1986: 2600 Junior, 2. Version (USA)
06/1986: 2600 Junior, 3. Version
??/1991: 2600 Junior, 3. Version 128-in-1 (Australien)
eingestellt 07/1978: VCS/Video Arcade, 1. Version
09/1982: VCS/Video Arcade, 2. Version
08/1983: VCS 2600A, 1. Version
08/1983: Video Arcade, 3. Version
08/1983: Video Arcade II
??/1984: 2800
12/1984: 2600 Junior, 1. Version
06/1986: 2600A, 2. Version
06/1989, 2600 Junior, 2. Version
12/1991: 2600 Junior, 3. Version
Hersteller Atari Sunnyvale
Atari-Wong
Atari Taiwan Manufacturing Corp. (ATMC)
Atari Ireland
Atari HK
EFA Corp.
Neupreis $179 (September 1977, entspricht heute etwa $760)
$39 (September 1984, entspricht heute etwa $97)
Ausstattung
Prozessor MOS 6507
DIL-Gehäuse, 28 Pins
Taktfrequenz 1,19 MHz
Arbeitsspeicher 128 B (in PIA R6532 enthalten)
Grafikhardware Grafikchip: Atari Television Interface Adapter (TIA)
Auflösung max. 160×200 Pixel
128 Farben, davon maximal 16 gleichzeitig darstellbar
RF-Modulator
Audio-Hardware Soundchip: Atari Television Interface Adapter (TIA)
2 PCG-Audiokanäle (Pulse Code Generated)
Tonhöhe 5 Bit
Tonausgabe über Bildschirm
Anschlüsse 2 (2800/VAII: 4) Controllerports
Netzteil
TV-Kabel
Modulschacht
Medien Steckmodule
Kassetten (via Starpath/Arcadia Supercharger)
Stromversorgung Steckernetzteil 9V/500mA
Stromverbrauch 9W
Klinkenstecker 3,5 mm, Pluspol an der Spitze anliegend
Statistisches
Verkaufte Einheiten insgesamt ca. 30 Millionen
Spiele ca. 500–600 verschiedene



Atari Video Computer System, Modell CX2600 (1977–82)
Sears Tele-Games Video Arcade, 1.+2. Version (1977–82)

Die erste Version mit dem Spitznamen Heavy Sixer wurde ab 1. August 1977 zusammen mit zwei Joysticks, einem Satz Paddles und dem Spiel Combat an den Handel ausgeliefert und ab 5. September erstmals für knapp 180 Dollar verkauft. Wenn man sich die Konsole von innen anschaut, sieht man noch Überbleibsel aus der Entwicklungszeit, so waren unter anderem eingebaute Stereo-Lautsprecher geplant. Dieser sogenannte Sunnyvale Heavy Sixer ist heute ein gesuchtes Sammlerstück, insbesondere mit der ersten Generation der berühmten Atari-Joysticks und den Spielen mit der sogenannten Gatefold-Verpackung. Zu den Unterschieden zwischen den beiden 6-Schalter-Modellen siehe die Bilder weiter unten. Schon im Juli 1978 bekam die Konsole dann ein leichtes Facelift verpasst, die dicke Kunststoff-Bodenwanne wurde gegen eine wesentlich leichtere Version ausgetauscht und die Front geradegezogen. PAL-Modelle dieser zweiten Version wurden erst ab 1980 gebaut und in Europa ausgeliefert.

In Westdeutschland wurde die Konsole ab 1980 unter der Bezeichnung VCS 800 von der Firma Unimex vertrieben. Während Konsole und Spielmodule im Original belassen wurden, wurden zusätzlich deutschsprachige Spielanleitungen beigelegt, denen auch ein deutscher Spieletitel verpasst wurde – so wurde aus Maze Craze kurzerhand Labyrinth und Slot Racers wurde in Hindernis-Rennen umbenannt. Diese Praxis wurde anfangs noch von der Atari Elektronik Vertriebsgesellschaft übernommen, bevor die Muttergesellschaft den PAL-Modulen mehrsprachige Anleitungen beilegen ließ.

Bilder (Zum vergrößern anklicken)
CX2600, 1. Version (09/1977–07/1978)

Gut zu erkennen ist hier die leicht abgerundete Front und die dicken Seiten. Nur diese Konsole ist der sogenannte „Sunnyvale Heavy Sixer“
CX2600, 2. Version (07/1978–09/1982)

Gerade Front, schmale Seitenwände. Mitunter wird die Version auch als „Light Sixer“ bezeichnet.
Sears Video Arcade, 1. Version (09/1977–07/1978) Auffälligster optischer Unterschied zwischen der 1. Version (links) und der 2. Version des 6-Schalter-Modells ist die Stärke der Seitenwand und die leichte Krümmung der Frontpartie beim Urmodell
Mainboard, 1. Generation (1977–1978) Mainboard, 2. Generation (1978–1982)
Anschlüsse, 1. Generation (1977–1978) Anschlüsse, 2. Generation (1978–1982)



Atari Video Computer System / Atari 2600, Modell CX2600A (1981–86)
Sears Tele-Games Video Arcade, 3. Version (1982–83)

Im Juni 1981 folgte die dritte Version (Modellnummer CX2600A), hauptsächlich wurde die Elektronik überarbeitet und statt der Hauptplatine im dicken Alumantel und der zweiten Platine mit den Schaltern wurde nun alles auf eine Platine gesetzt und schräg im Gehäuse verbaut, die Schalter für die Schwierigkeitseinstellung wanderten dadurch auf die Rückseite und die Controlleranschlüsse nach oben auf die Rückseite des Höckers. Diese Version wurde zuerst außerhalb Nordamerikas verkauft, erst im September 1982 kam sie dann auch auf den amerikanischen Markt. Im August 1983 erschien dann die sogenannte Darth Vader-Version, die nach dem Erscheinen der Konsole 5200 jetzt offiziell „Atari 2600“ genannt wurde. Bis auf die schwarze Front an Stelle der Holzimitation und die fehlende orange Umrandung des „Höckers“ ist die Konsole identisch mit dem 1981er-Modell. Begründet wurde die Designänderung ähnlich wie beim Wechsel ven den 400/800-Computern zur XL-Serie mit dem Argument, dass ein komplett schwarzes Gerät sich besser in ein Hightech-Wohnzimmer der 1980er Jahre einfügen würde als ein Modell mit Fake-Holzfront. Ausgeliefert wurde die Konsole entweder mit Pac-Man oder Centipede.

Die Firma Polyvox aus Osasco nahe São Paulo erhielt für Brasilien die Lizenz zum Nachbau und zum Vertrieb des 2600 samt Spielen. Die ersten Konsolen, die im September 1983 auf dem brasilianischen Markt erschienen, entsprachen noch vollständig dem Atari-Original, bei späteren Versionen (Polyvox Atari 2600S) wurden die verchromten Schalter gegen Plastik-Druckknöpfe eingetauscht und die Controller mit der Konsole fest verbunden. Die Polyvox-Konsolen wurden noch bis in die 1990er Jahre gebaut und vertrieben, insgesamt brachte Polyvox auch 51 Spiele auf den Markt, die größtenteils aus der Atari- und Activision-Bibliothek stammen.

Bilder (Zum vergrößern anklicken)
CX2600A, 1. Version (06/1981–08/1983)

Durch die veränderte Platine sind die Joystickports und der Netzteilanschluss an der Rückseite nach oben gewandert, gleichzeitig wurden die beiden Schwierigkeitsgrad-Schalter auf die Rückseite gesetzt.
CX2600A, 2. Version (08/1983–05/1986)

Schwarze Front, „Atari 2600“ ist nun die offizielle Bezeichnung
Mainboard Anschlüsse



Atari 2600 „Junior“ (1984–91)
Im Mai 1984 wurde die Junior-Version vorgestellt: Deutlich kleiner und kompakter, aber innen noch dieselbe Technik. Das Design stammt von Ataris Industriedesigner Regan Cheng, entwickelt wurde die Konsole als Atari 2200 (Projektname Bonnie) vom WCI Atari New York Lab unter der Leitung von Gregg Squires und Steve Mayer. Atari litt zu dieser Zeit aber unter dem Videospiele-Crash in Nordamerika, nachdem die Firma Prozesse gegen Activision und Imagic verlor und selbst mit Insidergeschäften an der Börse in die Schlagzeilen geriet. Atari wollte ausschließlich eigene Spiele für die Konsole veröffentlichen, musste aber nach Klagen der beiden Hersteller nachgeben und die Konsole für Drittanbieter öffnen, was zur Folge hatte, dass in den kommenden zwei Jahren eine Unzahl von Modulen von Dutzenden Herstellern den Markt derart überflutete, dass die Spiele teilweise unter einem Dollar verkauft wurden. In der Folge mussten auch die Konkurrenten Coleco und Mattel die Preise für ihre Konsolen und Spiele radikal senken, um mithalten zu können. Zum Schluss gingen viele Spielehersteller pleite und Konsolenhersteller verschwanden ebenfalls wieder vom Markt. Zudem waren die Heimcomputer mittlerweile erheblich leistungsfähiger als die Konsolen und die meisten Spiele bereits auch dafür erhältlich. Die Version mit der schwarzen Blende ist die seltenste der Junior-Konsolen, sie wurde im Werk in Irland produziert und erschien im September 1984, doch bereits gegen Jahresende wieder eingestellt. Die Version mit der Metallblende und dem kleineren Regenbogenstreifen erschien ebenfalls im September 1984, das Modell mit dem auflackierten langen Regenbogenstreifen beim Relaunch der Konsole im Juni 1986. Die Konsole wurde auf Grund eines sehr günstigen Preises – 99 Mark gegenüber der rund 300 Mark für ein NES – erneut zum Renner und wurde zusammen mit der 32 in 1 Game Cartridge sowie mit einem oder zwei ProLine-Joysticks bzw. spälter anstatt dessen in Europa mit zwei Gamepads ausgeliefert. Parallel dazu wurden auch die alten Geräte des schwarzen 2600A vermarktet. Eine Sonderedition des Juniors erschien gegen Ende der 1980er mit einer anders gestalteten Verpackung und dem Spiel Centipede statt der 32 in 1 Game Cartridge. Ende der Produktion der 2600-Serie war dann im Dezember 1991, vertrieben wurden die Konsolen noch bis Ende 1993, die dann noch übrigen Geräte wurden schließlich abgeschrieben. Das letzte von Atari produzierte Spiel war Klax aus dem Jahr 1992, in Nordamerika war das letzte erschienene Spiel das von Axlon entwickelte Secret Quest.

Auf dem australischen Markt erschien 1991 ein Ableger der dritten Junior-Variante, die bereits 128 Spiele eingebaut hat. Hergestellt wurde die Konsole im Auftrag von Atari HK in China. Der Color/BW-Schalter und der Kanalwahlschalter wurden in der Funktion verändert, so besitzt der nun als Game Group bezeichnete ehemalige Kanalwahlschalter nun vier Rastungen zum Umschalten zwischen den vier Gruppen à 32 Spiele. Mit dem Color/BW-Schalter wird innerhalb einer Gruppe von Spiel zu Spiel weitergeschaltet. Im Inneren befinden sich neben der bekannten Chips noch vier ROMs mit den 128 Spielen. Eine bereits 1987 angekündigte Version mit eingebautem Centipede wurde nicht realisiert.

Bilder (Zum vergrößern anklicken)
2600 Junior, 1. Version (1984) 2600 Junior, 2. Version (1984–89)
2600 Junior, 3. Version (1986–1991) Unveröffentlicht: Eine vierte Version des 2600 Junior in weiß

Bild: atarimuseum.com
Mainboard Anschlüsse
Prototyp: Der Atari 2200 „Bonnie“ (1983)

Bild: atarimuseum.com



Atari 2800 (1983–84)
Sears Tele-Games Video Arcade II (1982–83)

Diese speziell für die Kaufhauskette Sears entwickelte Konsole kam im Oktober 1982 in Nordamerika auf den Markt. Ein Jahr später wollte man mit dieser Konsole auch in Japan ins Geschäft kommen, dort war sie als Atari 2800 ab Mai 1983 für 24.800 Yen zu haben. Die Konsole mit dem Entwicklungsnamen Cindy brachte ein paar neue Funktionen gegenüber dem 2600 mit. So ist der Controller wie beim unveröffentlichten 2700 gleichzeitig Paddle und Joystick. Die Umschaltung erfolgt auf der Konsole selbst. Anstatt den herkömmlichen zwei Controllerports sind beim 2800 vier vorhanden. Das System floppte allerdings in Japan, zu dieser Zeit begeisterte die in der Branche bislang nur als Spieleentwickler bekannte Firma Nintendō K.K. mit dem Famicom (dem späteren Nintendo Entertainment System) das ganze Land. Auch in den USA selbst wurde Cindy kein großer Erfolg, hier kam 1982/83 der Videospiel-Crash in Gang. 1984 wurde das System wieder eingestellt und das Gehäuse beim 7800 wieder verwendet.



Unveröffentlichte Modelle
Atari 2500 (1981)

Vermutlich Ataris erster Versuch, eine Low-Cost-Variante des Atari 2600 zu entwickeln. Im Inneren des bisher undokumentierten 2500 steckt ein ganz normales 2600A-Mainboard. Die Joysticks auf der Oberfläche sind sog. Mock-Ups, d.h. es ist nur das äußere fertig, Technik existiert noch nicht. Die langen roten Streifen stellen die Feuerknöpfe dar. Neben der grauen Version existiert noch eine schwarze.

Bilder (Zum vergrößern anklicken)
Atari 2500 Mockup


Bild: atarimuseum.com
Innenansicht, hier befindet sich lediglich ein normales CX-2600A-Mainboard im Inneren

Bild: atarimuseum.com

Atari 2700 „IR-Stella“ (1981)
Bereits 1980 entstand das 2700, das mit kabellosen Controllern arbeitet. Die Controller selbst sind 8-Richtungs-Joystick und 270-Grad-Paddle zugleich und beinhaltet drucksensitive Knöpfe. Das ganze System war bereits fertig und im Januar 1981 wurde es auf der Winter CES vorgestellt, Flyer wurden verteilt, verpackte Systeme wurden schon zur Auslieferung bereit gemacht, da fiel in der Qualitätskontrolle, durchgeführt von John Protsman, der Controller durch. Sein Signal konnte in etwa 300 Metern Entfernung noch empfangen werden. Atari 2700 Systeme in der Umgebung hätten beeinträchtigt werden können. Die Technik ist dem der Funkhandsender für Torantriebe auch nicht unähnlich, sodass eventuell sogar Garagentore während dem Spielen auf- und zugehen konnten. Die Controller neu zu entwickeln hätte bedeutet, das ganze System neu zu entwickeln. So wurden die 2700 Systeme wieder eingestampft. Beim Design des gesamten Systems wurde ein Bruch mit der bisherigen Linie begangen - das Design stammt von Roy Nishi und floss in die nachfolgenden Systeme 2800, 5200 und 7800 mit ein.

Bilder (Zum vergrößern anklicken)
Atari 2700 Konsole Atari 2700 Seitenansicht, unter der hier geöffneten Klappe wurden die Joysticks gelagert. Dieses Detail sowie Teile des Designs flossen in die Konsole 5200 mit ein.

Bild: atarimuseum.com
Atari 2700 Werbeflyer

Atari 2000 „Val“ (1982)
Eine kompakte Version - hier ist alles, was man braucht, auf kleinstem Raum zusammengefasst. Die Konsole wurde 1982 vom WCI Atari New York Lab unter Leitung von Gregg Squires entwickelt. Vorlage für „Val“ war die ungleich größere Atari 2500 Konsole. Zu Marktforschungszwecken wurde ein brauner 2000 nach Sunnyvale geschickt, später noch eine blaue Variante. Beide wurden abgelehnt. Aus den Resten des Atari 2000 entstand ein Jahr später der Atari 2200, der Vorläufer des 2600 jr. 2000 Stück dieser Konsole, die als Entwicklerversionen oder Vorserienmodelle gedacht waren, sind im Jahr 1982 spurlos verschwunden.


Atari 2000 – Bild: atarimuseum.com

Atari 3000 „My First Computer“ / „Graduate Computer“ (1983)
Der Graduate Computer stellt eine Erweiterung dar, die den Atari 2600 zum Computer umwandeln soll. Anhand des Namens kann man darauf schließen, dass das Produkt speziell für Kinder und Jugendliche gedacht sein sollte. Die gesamte Serie ist jedoch, wohl aus der Sorge heraus, man könnte der hauseigenen XL-Serie Konkurrenz machen, nie erschienen. Ursprünglich sollte die Veröffentlichung im Oktober 1983, also kurz vor den Heimcomputern 600XL und 800XL stattfinden. Ein ähnliches System wurde im selben Jahr von Spectravideo unter der Bezeichnung „CompuMate“ herausgebracht, in Deutschland wurde es vom Versandhaus Quelle unter deren Eigenmarke Universum vertrieben.

Hardware: Software:
Bilder (Zum vergrößern anklicken)
Atari 3000

Bild: atarimuseum.com
Atari 3000 Mainboard

Bild: atarimuseum.com
Atari 3000 Komponenten „Sneak Peeks“ brachte bereits einen Artikel über das System, bevor es eingestellt wurde.


Kee Games Programmable Game System (1978)
Die geplante, aber nicht veröffentlichte Konsole der Atari-Tochter Kee Games entspricht technisch vollständig der zweiten CX2600-Version, fällt aber durch ihr knallbuntes Äußeres auf – der Grundton ist ein grelles Rot, die Bodenwanne ist weiter in Schwarz gehalten. Die Schalterblende und die Front sind mit Streifen in Gelb, Orange, Rot, Lila und Blau versehen.


Bild: AtariAge



Medien
Grundsätzlich arbeitet das System mit Steckmodulen, die anfangs nur 4 kB Speicher boten, später gab es dann auch Module mit Speichergrößen bis zu 64 kB, die mittels Bankswitching angesprochen werden konnten. Die Firma Arcadia, später in Starpath umbenannt, brachte daneben noch Videospiele auf Kassetten auf den Markt, wofür ein spezielles Abspielgerät nötig ist.

Modulvariationen von Atari
Atari 2600 Combat (CX-2601) Atari 2600 Space War (CX-2604) Atari 2600 Yars' Revenge (CX-2655) Atari 2600 RealSports Volleyball (CX-2666)
1. Text-Version

Produziert zwischen 1977 und 1978. Auf dem stirnseitigen Etikett befindet sich links neben dem Namen des Spiels die Nummer des Moduls (in diesem Beispiel steht auf dem Etikett dann 01 combat für das Modul CX2601 Combat). Sie wurden in einer Verpackung ausgeliefert, die von vorne zu öffnen ist (die sogenannte Gatefold-Verpackung, die neun Spiele, die in dieser Variante erschienen sind, sind heute gesuchte Sammlerstücke.
2. Text-Version

Diese Variante wurde zwischen 1978 und 1981 produziert. Die Verpackungen dieser Version waren dann wie alle nachfolgenden von oben zu öffnen.
Bild-Version

Produziert zwischen 1981 und 1991. Etliche dieser Spiele gab es auch in der Variante mit Text-Etikett.
Silber-Version

Eingeführt im September 1982. Von der Atari Corporation ab 1986 produzierte Module mit diesem Layout haben statt des glänzenden Etiketts ein simples graues Etikett.
Atari 2600 Jungle Hunt (CX-2688) Atari 2600 Solaris (CX-26136) Atari 2600 Alpha Beam With Ernie (CX-26103) Atari 2600 32 in 1 Game Cartridge (CX-26163)
Silber-Version

Eine Variation des 1982 eingeführten Silber-Labels hat an Stelle des roten Streifens den Namen des Spiels direkt im Bild stehen. Auch hiervon wurden ab ca. 1986 vereinfachte graue Module produziert.
Rote Version

Diese wurden ab 1986 eingeführt, der Farbton bewegt sich dabei zwischen einem hellen Weinrot bis hin zu einem fast schon braunen Rotton. Im ersten Jahr nach Erscheinen waren die Bilder noch schwarz/weiß, ab 1987 wurden farbige Bilder verwendet.
Kinder-Module

Die speziell auf Kinder ausgerichteten Videospiele wurden mit einem besonderen Layout versehen. Über den einfarbigen Hintergrund wurde ein andersfarbiges Gitternetz gelegt. Auch sonst weicht die Gestaltung stark von den anderen Variationen ab. Für Spiele mit dem Sesamstraßen-Motiv wurde gelb als Hintergrund verwendet. Die Spiele der Muppets-Reihe wurden lila hinterlegt, Snoopy hat einen roten Hintergrund und Spiele mit den Disney-Charakteren wurden blau hinterlegt. Diesen Spielen ist üblicherweise ein Overlay für den Kid's Controller beigelegt.
Weitere Variationen

Oben gezeigt: Das Layout der 32 in 1 Game Cartridge, selbiges Layout hat auch die seltene 16 in 1 Game Cartridge. Zudem gibt es noch eine kuriose Variante des Moduls Defender in der Bild-Version mit blauem Hintergrund und roter Schrift.


⇒ Zur Übersicht der Atari 2600-Spiele ⇐
⇒ Zur Übersicht der Atari 2800-Spiele ⇐
⇒ Zur Übersicht der Sears Video Arcade-Spiele ⇐


Peripherie
Die beste Konsole nutzt nichts, wenn man sie nicht bedienen kann. Aus dem Hause Atari gab es dazu eine Vielzahl an Controllern:

Bilder (Zum vergrößern anklicken)
Atari Standard Joystick
(CX10, 09/1977–07/1978)

Die Ur-Version des legendären Atari-Joysticks. Das Design wurde komplett von den Joysticks der nicht erschienenen Tank-Spielkonsole übernommen. Vom Nachfolgemodell CX40 kann man ihn am Aufkleber auf dem Stick und an der fehlenden „TOP“-Markierung unterscheiden.
Atari Driving Controller
(CX20, 09/1977–08/1983)

Drehregler für u.a. Indy 500
Atari Paddle Controller
(CX30, 09/1977–08/1983)

360°-Drehregler, diese werden paarweise an einen Controllerport angeschlossen, so dass maximal vier Spieler gleichzeitig spielen können.
Atari Keyboard Controllers
(CX50, 12/1978–08/1983)

Mini-Tastatur u.a. für BASIC Programming. Die Tastaturen wurden immer paarweise verkauft und können mit Overlays versehen werden.
Atari Standard Joystick
(CX40, 07/1978–06/1986)

Modelle ab 1983 haben keinen orangefarbenen Kranz mehr.
Atari Video Touch Pad
(CX21, 09/1982–06/1984)

Tastatur zur Steuerung von Star Raiders in Verbindung mit einem Joystick
Atari Trak-Ball
(CX22, 10/1983–06/1984)

Trackball, mit dem man das Arcade-Feeling von u.a. Missile Command nach Hause holen konnte.
Atari Kid's Controller
(CX23, 11/1983–06/1984)

Speziell für Kinder entwickelte Tastatur, die mit Overlays versehen werden kann. Urspünglich hieß der Controller Action Control Base und war schwarz.
Atari ProLine Joystick
(CX24, 07/1983–12/1991)

Speziell für die Junior-Konsole designter Joystick, der dank der zwei Feuerknöpfe auch am 7800 verwendet werden kann. Ursprünglich war die Modellnummer CX60 für den Joystick vorgesehen.
Atari All-in-One Controller
(10/1982–04/1984)

Joystick und Paddle-Controller in einem – hier in der Sears-Version
Atari Remote Control Joystick
(CX42, 03/1983–06/1984)

Kabelloser Joystick auf Basis des CX40. Produziert wurden die Joysticks von der Firma Cynex Manufacturing.
Atari Joystick Repair Kit
(CX41, 10/1982–06/1984)

Bei einigen Spielen kann es schon mal sein, dass der Joystick während des Spiels das Zeitliche segnet. Anstelle gleich neue Joysticks zu kaufen, bot Atari einige Zeit lang ein Ersatzteilpaket an, mit dem man seinen CX40 wieder instandsetzen konnte.
Atari Space Age Joystick
(CX43, ca. 1984)

Dieser Joystick wurde vermutlich von Milton Bradley entworfen und nur in Nordamerika angeboten
Atari Game Pad
(CX78, 06/1989–12/1991)

Hier hat man sich wohl vom NES inspirieren lassen. Dieser Controller lag in Europa ab 1989 dem 2600 und dem 7800 bei.
Atari Track & Field Controller
(08/1984–1985)

Spezieller Controller für das Spiel Track & Field im Arcade-Stil.
Atari Remote Controller
(1981)

Dank diesem Controller, der bei der Qualitätskontrolle durchfiel, musste das gesamte 2700-System wieder eingestampft werden.

Bild: atarimuseum.com
Atari G-1 Lightgun
(1989)

Schon 1987 wurde die Pistole als XG-1 in grau dem XE Game System beigelegt und auch einzeln verkauft, die rote Version wurde 1989 zwar vorgestellt, aber letztlich doch nicht auf den Markt gebracht.
Atari MindLink
(1984)

Spielsteuerung per Gedanken war damals ein revolutionäres Konzept. Atari arbeitete seit 1982 an MindLink und auf der Summer CES im Juni 1984 wurde das System vorgestellt. Die Probanden hatten allerdings an schweren Kopfschmerzen zu leiden, weshalb Mindlink wieder in der Versenkung verschwand. Seinen Ursprung hatte MindLink in einem Modul des nicht veröffentlichten Atari Bionics Medical System.
Atari MindLink
(1984)

Headset
Atari 2600 Keyboard
(1984)

Ein weiteres Tastatur-Addon, dieses wurde spezielle für die Junior-Konsole entwickelt. Schaffte es allerdings auch nicht auf den Markt.

Im gleichen Gehäuse wurde von Milton Bradley auch ein Sprachsynthesizer entwickelt, der unter der Modellnummer CX45 auf den Markt kommen sollte. Dadurch, dass Atari aber weit weniger als die vertraglich vereinbarte Menge bestellt hat, wurde das Projekt im Juli 1983 abrupt wieder eingestellt.

Bild: atarimuseum.com

Letzte Bearbeitung: 16. Dezember 2019