Atari 7800 ProSystem

Atari 7800 ProSystem

Inhaltsverzeichnis


Geschichte und Entwicklung
Im Herbst 1982 begann die General Computer Corporation, die bereits seit 1981 im Auftrag Ataris unter Anderem Arcadespiele wie Quantum oder Charley Chuck's Food Fight entwickelte, mit der Entwicklung einer eigenen Spielkonsole namens Spring (deutsch: Frühling) auf Basis des gerade erschienenen 16-Bit-Prozessors Intel 80186. Doch bereits im Januar 1983 werden die Planungen komplett umgeworfen, und Art Ng, Steve Golson, einige andere GCC-Ingenieure und die Firma VLSI beginnen mit der Entwicklung des Grafikchips GCC1701 (Codename: MARIA), dem Herzstück der neuen Konsole. Die Bezeichnung spielt auf das Raumschiff Enterprise der Science-Fiction-Serie Star Trek an, dessen Kennung NCC-1701 lautet – die GCC-Ingenieure waren offensichtlich große Star Trek-Fans. Spring wird ebenfalls in MARIA umbenannt und Warner Communications vorgestellt, von wo aus die Konsole ihren weiteren Weg zu Atari nimmt. Dort erhält sie vorläufig die Modellnummer CX3600. Atari betreibt zu dieser Zeit nach dem missglückten Start der 5200-Konsole exzessiv Marktforschung und fragt tausende Teilnehmer, was sie sich von einer Spielkonsole erhoffen und worauf sie gut verzichten könnten. Die Dominanz Ataris am Videospiel-Markt ist zwischenzeitlich zusammengebrochen, der Video Game Crash hat die Branche in Nordamerika voll im Griff und Atari schreibt nach Jahren immer weiter steigender Gewinne nun tiefrote Zahlen. Zahlreiche Angestellte waren dabei, Atari den Rücken zu kehren oder haben es bereits getan und eigene Firmen gegründet (Activision, Imagic, HiToro/Amiga), GCC sprang dafür in die Bresche und programmierte neben einigen Arcadespielen zahlreiche Spiele für die Konsolen 2600 und 5200. Steve Ross von Warner Communications bezeichnete die Firma als „Toaster“, man müsste nur die groben Daten eines Spiels an GCC weitergeben und ein komplett fertiges Spiel würde herausspringen. In der Folge entwickelten GCC und Atari zusammen eine Spielkonsole, die zur 2600 abwärtskompatibel sein sollte, und zwar sowohl was die Videospiele als auch die Controller angeht, bei der aber durchaus auch zeitgemäßere Technik zum Einsatz kommen sollte. Die Pläne reichten dabei sogar hin zu LaserDisc-Abspielgeräten und Computererweiterungen, um der Konsole so viel Funktionalität wie möglich mitzugeben.

GCC1701 kann im Juli 1983 erstmals präsentiert werden, steckt allerdings noch voller Fehler und geht in die Nachbearbeitung. Im Oktober wird mit GCC1702 ein grob fehlerbereinigter Chip vorgestellt, der in Zusammenarbeit mit der Atari Semiconductor Group entwickelt wurde, aber erst im April 1984 wird mit dem GCC1702B ein komplett fehlerfreier Chip produziert. Zwischenzeitlich arbeiten Atari und GCC auch bereits an Prototypen der neuen Konsole, im Dezember wird ein erstes 3600-Mainboard vorgestellt, das von Dan Schwinn entworfen wurde. Offenbar war hier schon entschieden, dass das Gehäuse des Sears Video Arcade II bzw. der Atari 2800-Konsole verwendet werden würde, die Umgestaltung wurde von Barney Huang vorgenommen. Die Modellnummer sollte noch zweimal wechseln – die Marketingabteilung regte zuerst CX9000 als Modellnummer an, letztendlich entschied man sich aber für 7800, was auf die Kombination aus 5200-Grafik und 2600-Kompatibilität hindeuten sollte. Der Zusatz ProSystem resultiert daher, dass die neue Konsole mit den Controllern der ProLine verkauft werden sollte, allen voran dem ProLine Joystick.

Am 21. Mai 1984 wird die fertige Konsole erstmals auf einer Pressekonferenz vorgestellt, seit April läuft bereits die Produktion der Konsole auf Hochtouren. Im Juni 1984 ist die Konsole in Südkalifornien erstmals im Handel anzutreffen. Diese erste Version verfügt übrigens noch auf der linken Seite über einen Erweiterungsbus. Im Zuge der Etablierung der Consumer Division Ataris als eigenständige Firma nach der Übernahme durch die Tramiels wird die Konsole jedoch vorerst wieder eingestellt. Grund ist hierfür vor allem ein Streit zwischen Warner Communications und der neuen Atari Corporation, wer denn nun das Honorar bezahlen sollte, das GCC zustand. Währenddessen konnte die Konsole natürlich nicht rechtssicher vertrieben werden. Erst im Mai 1985 kann der Streit beigelegt werden – Tramiel gibt letztendlich nach und bezahlt. Trotzdem dauert es noch ein ganzes Jahr, bevor die Konsole dann endlich im Juni 1986 auf der Summer CES in einer leicht überarbeiteten Version ohne Erweiterungsbus erneut vorgestellt und zeitgleich auch landesweit vertrieben wird – für den Markt jedoch zu spät, denn diesen hat nun bereits das 1985 erschienene Nintendo Entertainment System mit einem Marktanteil von weit über 80% voll im Griff. Nach Europa kommt die Konsole sogar erst im Frühsommer des Jahres 1989, als das wenig erfolgreiche XE Game System vom Markt genommen und durch die 7800 ersetzt wird. Zu diesem Zeitpunkt ist die Technik der 7800 bereits stark veraltet, branchenweit wird bereits an 16- und 32-Bit-Geräten getüftelt. Letztendlich ist der Konsole so kein großer Erfolg beschert, es wird von etwa zwei Millionen verkauften Geräten ausgegangen. Zum Jahreswechsel 1991/92 wird die Produktion der Konsole offiziell eingestellt, jedoch sind Geräte aufgetaucht, deren Seriennummern darauf schließen lassen, dass die Konsole auch 1993 noch produziert wurde. Vermutlich wurden hier, wie schon beim 5200 im Jahr 1985, einfach noch übrig gebliebene Teile aus den Lagern zusammengebaut und verkauft.

Atari 7800
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Aufbau des Systems

Allgemeines
Wie der Vorgänger 5200 basiert die Spielkonsole in groben Zügen auf den Atari Heimcomputern, jedoch diesmal mit dem Vorteil, zur 2600-Konsole abwärtskompatibel zu sein. Als Prozessor kommt hier ebenfalls SALLY zum Einsatz. Dieser ist ein Derivat auf Basis des MOS Technology 6502-Prozessors. SALLY kann auf einen Adressraum von 65536 Bytes zugreifen und ist mit 1,79 MHz getaktet. Der Unterschied von SALLY zum Standard-6502 liegt in den Pins 35 und 36, diese sind beim Original nicht belegt, beim Atari-Modell liegt auf Pin 35 ein HALT-Signal an und auf Pin 36 ein zweites Lese-/Schreibsignal. Der von der 2600-Konsole bekannte Grafikchip TIA wird hier nur noch zur Tonausgabe und für die 2600-Spiele gebraucht, für 7800-Spiele gibt es die Option, den POKEY im Spielmodul zu integrieren und so der Konsole zugänglich zu machen. Grafikchip und Herzstück der Konsole ist der von der General Computer Corporation und der Atari Semiconductor Group entwickelte GCC-1702B MARIA. Die Konsole besitzt 4 kB Arbeitsspeicher, die maximale Modulgröße beträgt 128 kB.

Mainboard

Gehäuse und Anschlüsse
Das Design der Konsole wurde mit nur minimalen Änderungen direkt von der wenig erfolgreichen 2800-Konsole übernommen und stammt aus der Feder von Industriedesigner Regan Cheng. Dem Spieler stehen zwei neunpolige Controlleranschlüsse an der Vorderseite zur Verfügung, hinten befinden sich der Anschluss für den Fernseher bzw. bei französischen PERITEL-Modellen ein 13-poliger Monitoranschluss im ST-Format sowie der etwas spezielle Netzteilanschluss, für den es langsam immer schwieriger wird, noch passende Netzteile zu bekommen. Die erste Generation besitzt an der linken Seite noch einen 18-poligen Erweiterungsanschluss. Auf der Konsole sitzen der Modulschacht sowie die Funktionstasten der Konsole.

Anschlüsse
Die Anschlüsse der 1986er Version (PAL/NTSC)



Technische Daten
Modellinformationen
Modellnummer Atari CX7800
Handelsbezeichnung Atari 7800 ProSystem, Atari 7800
Entwicklungsbeginn Januar 1983
Erstvorstellung 21. Mai 1984 (1. Version)
Juni 1986 (2. Version), Winter CES Las Vegas
Markteinführung Juni 1984 (Testveröffentlichung in Südkalifornien)
Juni 1986 (USA)
Juni 1989 (Europa)
eingestellt Juli 1984 (1. Version)
1. Januar 1992 (2. Version)
Dezember 1993 (Europa-Version)
Hersteller Atari Taiwan Manufacturing Corp. (ATMC)
EFA Corp. (Factory Code X1)
Neupreis $139 (Juni 1986, entspricht heute etwa $330)
Ausstattung
Prozessor Atari SALLY (auf Basis des MOS 6502C)
DIL-Gehäuse, 40 Pins
Taktfrequenz 1,79 MHz (NTSC) bzw. 1,77 MHz (PAL)
Arbeitsspeicher 4 kB (2× 16 kBit DRAM)
Grafikhardware Grafikchip: GCC-1702B „Maria“
DIL-Gehäuse, 50 Pins
max. Auflösung 320×200 Pixel (160×200 im 2600-Modus)
256 Farben, davon max. 16 gleichzeitig darstellbar
TV-Anschluss (SECAM-Modelle: ST-Monitor-Anschluss)
Audiohardware Soundchip: Atari Television Interface Adapter (TIA)
DIL-Gehäuse, 40 Pins
2 PSG-Audiokanäle
Tonausgabe über den Bildschirm
Anschlüsse 2× Controller
TV (SECAM: ST-Monitor)
Erweiterungsanschluss (nur 1. Version von 1984)
Netzteil
Medien Steckmodule
Laserdisc (geplant, nicht umgesetzt)
Stromversorgung Steckernetzteil 9V/1A
Stromverbrauch 15W
zweipoliger Spezialstecker
Statistisches
Verkaufte Einheiten ca. 2 Millionen
Spiele 85

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Modellvarianten
Vier leicht unterschiedliche Versionen gibt es von dieser Konsole, die Prototypen nicht mit einbezogen:

1. Modell (Juni 1984)
Hierbei handelt es sich um die originale Konsole, wie sie bei Atari und GCC entwickelt wurde. Auffälligstes Merkmal ist dabei der Erweiterungsanschluss auf der linken Seite. Sie wurde im Zuge der Übernahme der Consumer Division durch die Tramel Technology bereits im Juli 1984 wieder eingestellt und gilt heute als gesuchtes Sammlerstück.

2. Modell (Juni 1986)
Dieses in Nordamerika erschienene Modell entspricht weitestgehend dem ersten Modell, jedoch wurde der Erweiterungsanschluss weggelassen.

3. Modell (Juni 1989)
Erst 1989 erschien die Konsole dann auch weltweit, technisch bis auf die Anpassung an die jeweils gültige Fernsehnorm identisch mit dem US-Modell. Auffälligstes Merkmal der PAL-Modelle ist der dicke auflackierte Regenbogenstreifen statt dem eleganten schmalen Streifen auf der NTSC-Konsole.

4. Modell (ca. 1992/93)
Nach dem offiziellen Ende der Produktion wurde diese offensichtlich noch einmal begonnen, erkennbar sind diese Modelle an dem nur noch auflackierten statt gebürsteten Atari-Logo auf der Metallblende.


Atari 7800 Bilder
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Medien
Aussehen und Form der bis zu 128 kB großen Spielmodule gleichen den Modulen der 2600-Serie, jedoch haben die 7800-Module acht Leitungen mehr. Die grafische Gestaltung der Module ist durchgehend gleich, jedoch wurden die Etiketten 1986 noch in Graustufen gedruckt, erst ab 1987 gibt es farbige Etiketten. Ausnahme ist das Spiel Pole Position II, dessen Gestaltung wohl die ursprünglich geplante war. Ursprüglich waren auch Laserdiscs geplant, jedoch wurde der dafür nötige Abspieler, der an den Erweiterungsport angeschlossen werden sollte, nie entwickelt.

Atari 7800 Food Fight (CX7804) Atari 7800 Mario Bros. (CX7850) Atari 7800 Pole Position II (CX7808)
Die drei Variationen der 7800-Module

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Controller und Zubehör

Die beste Konsole nutzt nichts, wenn man sie nicht bedienen kann. Aus dem Hause Atari gab es dazu eine Vielzahl an Controllern, die auf dieser Seite vorgestellt werden.
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Letzte Seitenbearbeitung: 4. April 2020