Atari 5200 SuperSystem

Atari 5200 SuperSystem

Inhaltsverzeichnis

Geschichte und Entwicklung
Die Entwicklung eines Stella-Nachfolgers begann im Wesentlichen bereits Anfang 1977 bei Cyan Engineering, als Stella noch nicht einmal auf dem Markt war. Zu dieser Zeit ging man noch davon aus, dass für eine Spielkonsole-Generation nach spätestens drei Jahren kein Markt mehr da war – dass das System bis in die 1990er Jahre überleben würde (wenn auch am Schluss nur noch als billige Einsteigerkonsole), konnte man damals nicht ahnen. Die ursprüngliche Planung sah vor, den TIA-Chip der Stella zu erweitern und zu sehen, mit welchen Funktionen oder Komponenten er noch versehen werden bzw. zusammenarbeiten könnte. Relativ schnell wurde daraus dann das Heimcomputerprojekt Colleen mit dem Nebenprojekt Candy. Letzteres sollte ursprünglich eine Spielkonsole mit der vorläufigen Modellnummer CX7000 und der Technik von Colleen werden. 1978 entschied man sich bei Atari jedoch dafür, aus Candy einen Einsteigercomputer zu machen, woraus dann der Atari 400 entstand.

Erst 1981 wurde wieder ein Nachfolger für das mittlerweile sehr erfolgreiche Video Computer System ins Spiel gebracht. Steve Bristow, Vice President Advanced Technology, leitet die Entwicklung des Projekts PAM, was einigen Quellen zufolge für Personal Arcade Machine stehen soll, nach anderen Quellen soll es sich bei Pam aber um eine weibliche Atari-Angestellte handeln. Die grundlegende Technik der Computerbaureihe 400/800 wird für PAM herangezogen, in einigen Details jedoch verändert. So besitzt PAM kein volles Betriebssystem, sondern nur ein rudimentäres Betriebsprogramm auf einem 2 kB-ROM, wovon eine Hälfte alleine schon den Zeichensatz der Konsole enthält. Einige Register sind zudem an anderer Stelle vorzufinden als bei den Cmputern, eine Schwierigkeit stellt auch die Einbindung der Analogjoysticks dar, die dem System letztendlich als Paddles vorgegaukelt werden.

Im Januar 1982 wird dann auf der Winter CES in Las Vegas das Video System X erstmals vorgestellt und bereits elf Spiele angekündigt, bis Jahresende sollen ganze vierzehn Titel zu haben sein. Im gleichen Monat beginnen die Umbauarbeiten in der 1215 Borregas Avenue in Sunnyvale, wobei aus dem ehemaligen Sitz der nach Milpitas verlagerten Coin-Operated Divsion ein Produktionsstandort für die neue Konsole werden sollte. Bei der erneuten Vorstellung des Systems im Februar 1982 auf der New York Toy Fair wird der empfohlene Verkaufspreis von $349 auf $279 gesenkt. Am 8. Juni 1982 wird das System dann auf der Summer CES in Chicago als Atari 5200 SuperSystem präsentiert und soll innerhalb weniger Monate verfügbar sein. Angekündigt werden zudem ein Voice Controller, ein Trackball-Controller und ein Moduladapter für VCS-Spiele. Im August startet in Sunnyvale die Produktion der Konsole, im Oktober gibt es die ersten Geräte zusammen mit dem Spiel Super Breakout und zwei Analog-Joysticks zu kaufen, am selben Tag erscheinen auch die Spiele Galaxian, Space Invaders, Missile Command und Star Raiders für das System. Im November erscheinen mit Pac-Man und RealSports Soccer zwei weitere Titel.

Kritik am 5200 kam aber schnell auf, vor allem die von Craig Asher entwickelten Joysticks standen dabei im Visier. Diese zentrieren sich nicht selbst, was viele Spiele praktisch unspielbar macht, die ersten produzierten Joysticks waren zudem sehr schlecht verarbeitet, so dass etliche Controller schon nach ein paar Stunden den Geist aufgaben. Die Joysticks wurden letztendlich zur Achillesferse des gesamten Systems. Einige Atari-Ingenieure warnten das Atari-Management in einer Petition vor der Veröffentlichung der Konsole mit diesen Joysticks, da sich aber Mattel und Coleco bereits mit ihren Konsolen warmliefen, blieb Atari bei der Entscheidung, die Analogjoysticks zu verwenden. Auch die Leistung wurde bemängelt, Titel wie Super Breakout schöpfen die Leistungsfähigkeit der Konsole nicht einmal ansatzweise aus. Ein weiterer Kritikpunkt betraf die Inkompatibilität zum 2600 und zu den Computermodellen. Die Kunden wandten sich daher eher der Konkurrenz zu, allen voran dem ColecoVision-System, für das es sogar einen VCS-Moduladapter gab und das als Pack-In-Titel gleich mal mit dem mega angesagten Titel Donkey Kong von Nintendo aufwartete – dagegen war Super Breakout natürlich nur ein lauwarmer Aufguss eines mehrere Jahre alten Arcadespiels.

Anfang 1983 wurde Super Breakout dann gegen Pac-Man ausgetauscht, welches wesentlich besser umgesetzt wurde als die berüchtigte 2600-Version. Bis April 1983 wird die Fertigung der Konsole schrittweise von Sunnyvale nach El Paso und Taipeh verlagert, und Atari arbeitet bereits zusammen mit der General Computer Corporation an einem Nachfolgesystem. Im Juni 1983 erschien aber erst einmal eine überarbeitete Version der 5200-Konsole. Zwei der vier Controlleranschlüsse fallen ersatzlos weg, die automatische Switchbox, die beim 4-Port-Modell auch für die Stromversorgung verantwortlich ist, fällt ebenfalls weg zu Gunsten des konventionelleren Systems von getrennter Stromzufuhr und TV-Signal. Auch mussten zwei Adressleitungen angepasst werden, um den im Juni 1983 vorgestellten VCS Cartridge Adaptor mit dem 5200 kompatibel zu machen, beim alten Modell funktioniert dieser nur an sehr spät produzierten Exemplaren, zu erkennen an einem ✽ in der Seriennummer. Die Spiele Mountain King von CBS und Pitfall! von Activision funktionieren dagegen leider nicht mehr mit der neuen Konsole.

Trotz aller Maßnahmen und dem Erscheinen ausgefeilterer Videospiele und alternativer Controller wie dem Wico Commander bleiben die Absatzzahlen des Systems weit hinter den Erwartungen des Atari-Managements zurück, ein Teil davon dürfte aber auch auf den nordamerikanischen Video Game Crash zurückzuführen sein. Im Februar 1984 wird die Produktion am einzig verbliebenen 5200-Produktionsstandort in Taipeh eingestellt, am 21. Mai 1984 wird die Konsole auf der Pressekonferenz, auf der das neue 7800 ProSystem vorgestellt wird, offiziell vom Markt zurückgezogen. Übrig gebliebene Teile werden wenige Monate später unter den neuen Eigentümern zusammengesetzt und die Konsole im März 1985 erneut auf den Markt gebracht, um die Restbestände noch zu Geld zu machen. Die letzten Konsolen werden Mitte 1986 ausgeliefert, Spiele und Joysticks werden in Mexiko noch bis Mitte 1987 gefertigt.

Letztendlich erweist sich das nur in Nordamerika vertriebene 5200 SuperSystem als Flop, geschätzt eine Million Konsolen werden verkauft – ein kleines Licht gegenüber der etwa dreißig Millionen 2600-Konsolen. Weitere Entwicklungen wie eine Konsole im kleineren Gehäuse (Atari 5100 bzw. 5200jr), Paddle-Controller und verbesserte Joysticks wurden zwar angeregt, aber wieder verworfen. Die Anzahl der offiziell erschienenen Spiele liegt bei 75 Titeln, davon kommen 33 aus dem Hause Atari (von 62 geplanten Titeln). Allerdings erscheinen noch bis heute unregelmäßig neue Spiele, meist von Hobby-Programmierern entwickelt. Das 2007 bei AtariAge erschienene Spiel Adventure II wurde sogar vom Atari-Rechteinhaber Infogrames offiziell abgesegnet.
Atari 5200


Aufbau des Systems
Allgemeines
Das 5200-System ist im Prinzip nichts anderes als ein modifizierter 400-Computer ohne Tastatur, ganz ähnlich wie der 400 eigentlich ab August 1977 unter dem Projektnamen Candy geplant war, als man erste Überlegungen zu Anwendungsmöglichkeiten des Grafikchips Stella A/N (dem späteren ANTIC) anstellte. In der Konsole arbeiten der Hauptprozessor SALLY sowie die schon von den Computermodellen bekannten Spezialchips ANTIC, GTIA und POKEY, dazu verfügt das 5200 über 16 kB Arbeitsspeicher. Die Verbindung zum Spieler gewährleisten vier, später nur noch zwei fünfzehnpolige Controlleranschlüsse an der Vorderseite. Beim Anschluss an den Fernseher und bei der Stromversorgung unterscheiden sich die beiden erschienenen 5200-Modelle erheblich (siehe Abschnitt Modelle). In einigen Punkten unterscheidet sich die Architektur der Konsole jedoch wesentlich von der der Computer, so besitzt das 5200 statt dem 10 kB-Betriebssystem-ROM nur ein 2 kB-Boot-ROM, bei dem ein Kilobyte bereits vom Zeichensatz belegt wird. Wichtige Register der Spezialchips POKEY und GTIA sind an völlig anderer Stelle zu finden, was die Konsole damit inkompatibel zu den Computern macht. Zudem benutzt die Spielkonsole zur Eingabe analoge Controller, die Computer jedoch hauptsächlich digitale Controller.

Chips
Als Prozessor kommt Atari SALLY zum Einsatz, ein Derivat auf Basis des MOS Technology 6502-Prozessors. SALLY kann auf einen Adressraum von 65536 Bytes zugreifen und ist mit 1,79 MHz getaktet. Der Unterschied von SALLY zum Standard-6502 liegt in den Pins 35 und 36, diese sind beim Original nicht belegt, beim Atari-Modell liegt auf Pin 35 ein HALT-Signal an und auf Pin 36 ein zweites Lese-/Schreibsignal. Die wichtigeren Chips sind jedoch die schon von den Atari-Heimcomputern bekannten Custom-Chips POKEY, ANTIC und GTIA. Letztere erzeugen das Bild, wobei das System oder der Programmierer Daten in der sogenannten Display List hinterlegen müssen. GTIA erlaubt das Hinterlegen von maximal acht unabhängigen und jeweils einfarbigen Grafikelementen (den sogenannten Sprites, bei Atari auch gerne Player oder Missile genannt). Diese werden gemäß definierbaren Überlappungsregeln in das Hintergrundbild kopiert, das vom ANTIC bereitgestellt wird, und einer Kollisionsprüfung unterzogen. Dabei wird festgestellt, ob eine Berührung der Sprites untereinander oder mit dem Hintergrund vorliegt. Beide Chips zusammen erzeugen somit eine für damalige Verhältnisse unbekannte Flexibilität in der Darstellung. POKEY sorgt im Wesentlichen für den guten Ton auf vier Kanälen. Alles zusammen sorgt für eine Reduktion benötigter Chips in der Konsole und somit auch für eine Platz- und Kostenersparnis. Die Konstruktionspläne der Chips wurden nie veröffentlicht, so dass die damals gängige Praxis von zumeist illegalen Kopien zumindest wirtschaftlich nicht rentabel war.

Gehäuse
Für das Gehäusedesign zeichnet sich der Industriedesigner Regan Cheng verantwortlich, der auch schon die Gehäuse für die XL-Serie entworfen hat. Das Gehäuse ist vergleichsweise riesig, etwa vergleichbar mit der 2001 erschienenen Microsoft Xbox und damit doppelt so groß wie das des VCS. Es beinhaltet neben der Elektronik auch noch einen Stauraum für maximal zwei Joysticks vom Typ CX52, der mit einer semitransparenten Klappe versehen ist, sowie eine Aufwickelmöglichkeit für Kabel an der Unterseite des Gerätes. Links hinten sitzt zudem der Zugang zum Erweiterungsanschluss der Konsole.


Technische Daten
Modellinformationen
Modellnummer Atari CX5200
Handelsbezeichnung Atari 5200, Atari 5200 SuperSystem
Entwicklungsbeginn November 1981, Codename PAM
Erstvorstellung Januar 1982, als Video System X, Winter CES Las Vegas
Juni 1982, Summer CES Chicago
Markteinführung Oktober 1982 (1. Version)
Juni 1983 (2. Version)
März 1985 (Re-Release)
eingestellt Juni 1983 (1. Version)
Februar 1984 (2. Version)
Juni 1986 (erneut)
Hersteller Atari Sunnyvale
Atari El Paso
Atari Taiwan Manufacturing Corp. (ATMC)
Neupreis $279 (Oktober 1982, entspricht 2020 etwa $750)
Ausstattung
Prozessor Atari SALLY (auf Basis des MOS 6502C)
DIL-Gehäuse, 40 Pins
Taktfrequenz 1,79 MHz
Arbeitsspeicher 16 kB
Grafikhardware Grafikchips: Atari ANTIC + Atari GTIA
Auflösung max. 320×200 Pixel
256 Farben, davon 8–16 gleichzeitig darstellbar
8 Sprites
Anschluss über Switchbox an den Fernseher
Audio-Hardware Soundchip: Atari POKEY
4 PSG-Audiokanäle
Tonausgabe über Bildschirm
Anschlüsse 4 Controllerports, spätere Versionen 2
Switchbox (4-Port-Version) bzw. Netzteil (2-Port-Version
TV-Kabel (nur 2-Port-Version)
Erweiterungsanschluss im Inneren
Medien Steckmodule
Stromversorgung Steckernetzteil
Statistisches
Verkaufte Einheiten ca. 1 Million
Spiele 75



Modelle
Atari 5200 mit 4 Controlleranschlüssen
Das im Oktober 1982 erschienene Modell unterscheidet sich von seinem Nachfolger nur sehr wenig. Es besitzt wie die Computermodelle 400 und 800 vier Controlleranschlüsse – und dazu eine etwas kuriose Art, den Strom in das Gerät hinein- und das Bildsignal herauszuführen: Zur Konsole gehört eine damals einzigartige automatische Umschaltbox, sie ist neben dem Umschalten zwischen Antennen- und Konsolensignal für den Fernseher auch noch für die Stromversorgung zuständig. In der Entwicklungs- und Vorstellungsphase zwischen November 1981 und Juni 1982 hieß die Konsole noch Video System X.

Atari 5200 mit 2 Controlleranschlüssen
Diese Art der Stromversorgung wurde mit dem im Juni 1983 erschienenen Modell wieder abgeschafft und das Netzteil kann ganz normal direkt an der Konsole eingesteckt werden – die automatische Umschaltbox wurde dann auch nicht mehr mitgeliefert, stattdessen eine herkömmliche manuelle Switchbox. Die Anzahl der Controlleranschlüsse wurde auf zwei reduziert. Zwei Adressleitungen wurden geändert, damit der VCS Cartridge Adaptor mit dem neuen Modell kompatibel ist.

Atari 5100 / 5200 jr
Auf Grund des wegen seiner Größe von einigen Spielern bemängelte Gehäuses gab es 1983 Überlegungen, den Stauraum für die Joysticks wegzulassen und allgemein das Gehäuse zu verkleinern. Die Konsole sollte entweder als Atari 5100 oder als Atari 5200 Junior angeboten werden. Das Vorhaben wurde aus unbekannten Gründen eingestellt.



Atari 5200 Bilder
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Medien
Die Konsole arbeitet ausschließlich mit Steckmodulen mit einer Speichergröße von maximal 32 kB und einer 36-poligen Kontaktleiste. Meist befindet sich an den sehr griffig gestalteten Modulgehäusen (wie die Konsole ebenfalls von Regan Cheng entworfen) auf der Rückseite ein Einschub zur Aufbewahrung der Overlays für die Joystick- oder Trackball-Controller. Bei den Etiketten gibt es zwei leicht unterschiedliche Variationen: Die erste Version hat den Namen des Spiels auf einem durchgezogenen blauen Streifen über dem Bild, die zweite Version hat den Namen oder das Logo des Spiels direkt im Bild stehen. Wie beim 2600 auch wurden die Module, die ab 1986 von der Atari Corporation produziert wurden, nicht mehr mit einem glänzenden Etikett ausgeliefert, sondern aus Kostengründen mit einem einfachen grauen Etikett.

Atari 5200 Defender (CX5218) Atari 5200 Berzerk (CX5221)
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Letzte Bearbeitung: 26. April 2020