Atari PC2 

Atari PC 2


Inhaltsverzeichnis

Geschichte
Der PC2 wurde im März 1987 in London erstmals als Atari Business PC vorgestellt und war im Gegensatz zum PC1 als reiner Bürocomputer konzipiert. Ausgeliefert wurde der Computer ab Januar 1988. Im Vereinigten Königreich bildet der PC2 das Einstiegsmodell, da dort der PC1 nicht ausgeliefert wurde. Erst im November 1987 wurde er auch in den USA auf der Fall COMDEX vorgestellt. Der PC2 wurde 1988 vom PC3 abgelöst.

Atari PC2


Aufbau des Systems
Gehäuse
Gegenüber dem PC1 hat das Gehäuse des PC2 den Vorteil, dass alles im selben Gehäuse untergebracht werden kann. Es bietet genug Platz für zwei 5¼″-Laufwerke, vier Steckkarten, das Mainboard und das Netzteil. Gefertigt wurde es im Gegensatz zum PC1-Gehäuse aus verzinktem und pulverbeschichtetem Stahlblech.

Mainboard
Die Platine wurde von Atari selbst entwickelt und fällt ein wenig größer aus als ein Standard-AT-Mainboard. Alle wichtigen Bauteile und Schnittstellen finden auf ihr Platz. Zur Systemerweiterung dient ein Platinensteckkontakt, auf den eine sogenannte „Riser-Card“ aufgesetzt werden kann, die wiederum vier XT-Steckplätze enthält.

Mainboard PC2


Prozessor und Coprozessor
Intel P8088-2 Zum Einsatz kommt hier der Intel P8088-2, der mit 4,77 MHz im Standardmodus und mit 8 MHz im Turbomodus getaktet wird. Der 1979 erschienene 8088 ist eine Lowcost-Variante des Intel 8086, er arbeitet zwar intern wie dieser mit 16 Bit, hat aber im Gegensatz dazu nur einen 8 Bit breiten externen Datenbus und eine von sechs auf vier Bytes verkleinerte Befehlswarteschlange. Zudem kann ein mathematischer Coprozessor vom Typ Intel 8087 eingesetzt werden. Um diesen zu aktivieren, muss nach dem Einbau der zum Sockel U68 gehörende Jumper (zu finden am vorderen Rand der Hauptplatine) auf die Pins 2 und 3 gesetzt werden (standardmäßig sind die Pins 1 und 2 gebrückt).

On-Board-Grafik
NSI Logic EVC315 Als Grafikchip kommt der EVC315-S aus dem Hause NSI Logic zum Einsatz, dieser unterstützt die damals gängigen Grafikmodi MDA/Hercules (80×25 Zeichen bzw. 720×348, monochrom), CGA (640×200 oder 320×200, 4 Farben) und EGA (640×350, 16 aus 64 Farben) und damit mehr als der originale EGA-Chip von IBM aus dem Jahre 1983. Im Atari PC ist er als einziger Chip in SMD-Bauweise verlötet. Zur Einstellung des verwendeten Bildschirmtyps findet man auf der Rückseite des PC neben dem Monitoranschluss eine Reihe kleiner DIP-Schalter (beschriftet mit Monitor Select), die wie folgt einzustellen sind:

Schalter Monitortyp
4 3 2 1
EGA-Bildschirm
Farbbildschirm
Monochromer Bildschirm


Weitere Chips
Als Floppycontroller dient der Intel P8272, der bis zu drei Diskettenlaufwerke unterstützt. Der WD8250 von Western Digital wird als Universal Asynchronous Receiver-Transmitter (UART) eingesetzt und dient vor allem zur Ansteuerung der seriellen Schnittstelle. Außerdem sind enthalten: Intel P8259 als Programmable Interrupt Controller, Intel P8253 als Programmable Interval Timer und der Intel P8237 als DMA Controller. Die beiden anderen größeren Chips, SSI 441 CP und Atari C101683, sind leider nicht ausreichend dokumentiert.

Arbeitsspeicher
Der Atari PC2 wurde standardmäßig mit 512 kB Arbeitsspeicher ausgeliefert, kann aber durch das Einsetzen von vier weiteren Speicherchips auf 640 kB erweitert werden.

Erweiterungsmöglichkeiten
Auch hier folgt der Atari PC2 keinem Standard, denn die Erweiterungsanschlüsse sind nicht etwa direkt auf dem Mainboard zu finden, stattdessen findet sich nur ein XT-Steckplatz auf der Hauptplatine. In diesen wird eine sogenannte Riser-Card eingesetzt, die vier XT-Steckplätze enthält. Die Steckkarten befinden sich somit waagrecht im Gehäse statt wie üblicherweise senkrecht. Der mitunter auch 8-Bit-ISA genannte XT-Bus ist an den Erweiterungsbus des Apple II angelehnt und sorgt dank eines riesigen Drittanbietermarktes dafür, dass für nahezu jede Anwendungsmöglichkeit eine Erweiterung angeboten werden kann. Er wird mit 4,77 MHz getaktet, besitzt 62 Pins und hat einen theoretischen Datendurchsatz von 0,96 MB/s.

XT-Bus


Massenspeicher
Ab Werk sind entweder ein oder zwei Chinon FZ-502 Diskettenlaufwerke verbaut, welches Disketten im Format 5¼″ nutzt. Es hat eine Spurdichte von 40 tpi, eine Sektorengröße von 512 Bytes und kann 360 kB speichern. Der Motor dreht mit 300U/min, die Datenübertragungsrate beträgt 250 kB/s, die Schrittrate liegt unter 6 µs. Mit einem Festplattencontroller ist es auch möglich, eine Festplatte im Inneren zu verwenden. Bei von Atari ab Werk mit Festplatte ausgelieferten Modellen befinden sich ein Adaptec ACB-2072 RLL-Controller und eine 20 MB-RLL-Festplatte im Gehäuse.

BIOS und Betriebssystem
Verbaut wurde im Atari PC das Award BIOS in der speziell auf den Atari PC angepassten Version 3.06. Als Betriebssystem wurde MS-DOS 3.2 mitgeliefert, andere Betriebssysteme wurden von Atari nicht angeboten. Es ist jedoch möglich, andere Systeme wie beispielsweise Novell Netware oder OS/2 zu nutzen. Auch der Betrieb der Benutzeroberfläche Windows 1.0 ist möglich.

Schnittstellen des PC2
Schnittstelle Ausführung
Mouse D-Sub-Buchse Typ DE9, 9-polig
Monitor D-Sub-Buchse Typ DE9, 9-polig
Serial D-Sub-Buchse Typ DB25, 25-polig
Printer D-Sub-Buchse Typ DB25, 25-polig
Keyboard (rechte Seite) DIN-Rundstecker, 5-polig


Peripherie
Für die PC-Serie gab es einiges an speziell entwickelter Peripherie. Einige Geräte aus anderen Serien konnten ebenfalls genutzt werden, vice versa konnten auch PC-Peripheriegeräte an anderen Serien angeschlossen werden. Eine Übersicht der Hardware für IBM-Kompatible Computer aus dem Hause Atari gibt es hier:

Letzte Bearbeitung: 20. Oktober 2019