Neben Festungsbauten und Kasernen mussten natürlich auch verschiedene Gebäude erbaut werden, die der Infrastruktur oder dem Wohl der Soldaten dienen sollten. Vor allem in der Modernisierungsphase
ab 1878 entstanden nahe den Festungswerken viele Gebäude. Das Nebenartilleriedepot in Neu-Ulm entstand auf dem Gelände, das 1842 für das Vorwerk 11 vorgesehen und seitdem in der Hand des
Deutschen Bundes war. Die Festungsbaudirektion brachte man im angekauften Reichenauer Hof nahe der Herdbrücke unter, in dem bis dahin ein Gasthof zu Hause war.
Im Lauf der Jahre entstanden auf beiden Seiten der Donau jeweils ein Proviantamt, ein Bauhof und ein Friedensspital, in Ulm erfolgte 1876 der Bau der Kaiserlichen Fortifikation nahe der Karlskaserne. 1865
wurde hinter dem Cavalier des Werks XXII ein Kriegslaboratorium errichtet. Offizierskasinos wurden am Glacis des Ravelin III, neben der Kienlesbergkaserne, nahe des Proviantamts Ulm und in Neu-Ulm am
nördlichen Ende der Maximilianstraße errichtet. Bis auf das Neu-Ulmer Kasino sind heute noch alle erhalten. Vor den Forts Albeck, Ludwigsvorfeste und Hauptwerk Oberer Eselsberg sowie
nordöstlich von Mähringen wurden Truppenübungsplätze eingerichtet, an der Friedrichsau entstand ein spezieller Wasserübungsplatz. Vor dem Fort Oberer Kuhberg und im Lehrer Tal
wurden Schießbahnen angelegt.
Für die gläubigen Soldaten errichtete man zuerst in Neu-Ulm, Anfang des 20. Jahrhunderts dann auch in Ulm jeweils eine Kirche für die Katholiken und die Protestanten. In Ulm erfolgte der Bau
deshalb so spät, weil mit dem protestantischen Münster und etlichen anderen Kirchen in der Stadt selbst genug Kirchenraum vorhanden war. In Neu-Ulm wurde 1857 mit dem Bau der heutigen Petruskirche
begonnen, diese wurde 1860 fertiggestellt. 1863–66 baute man wenige Meter östlich die heutige St. Johann Baptist-Kirche, die für die katholischen Soldaten gedacht war. Sie wurde
1922–27 unter Dominikus Böhm im expressionistischen Stil umgebaut und zählt heute zu den weltweit bedeutendsten Vertretern dieses Baustils. 1902 bis 1904 wurde an der Ecke Frauenstraße
/ Olgastraße die katholische Garnisonskirche im Stil der Neogotik errichtet, sie ist heute als St. Georg bekannt. Von 1908–10 entstand wenige Meter nördlich davon die evangelische
Garnisonskirche im Jugendstil. Die heute als Pauluskirche bekannte Kirche ist fast vollständig aus Stahlbeton errichtet, im Inneren wurde Sichtbeton verwendet, eine der ersten Kirchen Deutschlands, die
so gebaut wurden.
Auf dem mittleren Kuhberg und auf dem Eselsberg entstanden Ansammlungen von Schuppen, Magazinen und jeweils eine Munitionsanstalt. Neben den Kirchen wird heute noch das Zivilarresthaus für den Zweck
genutzt, für den sie gebaut wurden, hier befindet sich die Justizvollzugsanstalt Ulm.
| Gebäude | erbaut | heutige Lage | Zustand | heutige Nutzung | Bild |
|---|---|---|---|---|---|
| Evangelische Garnisonskirche Neu-Ulm Petruskirche |
1863-1867 | Petrusplatz 8, Neu-Ulm | vollständig erhalten, um 1970 ausgebaut | Evangelische Stadtpfarrkirche | |
| Evangelische Garnisonskirche Ulm Pauluskirche |
1908-1910 | Frauenstraße 110, Ulm | vollständig erhalten | Ulmer Paulusgemeinde Militärseelsorge |
|
| Exerzierhaus Bastion 3 | um 1880 | Ecke Künetteweg / Meininger Allee, Neu-Ulm | vollständig zerstört (2004) | — | |
| Exerzierhaus Courtine 6 | um 1880 | Turmstraße, Neu-Ulm | vollständig zerstört | — | |
| Festungsbaudirektion ab 1876 Geniedirektion |
um 1370, 1841 angekauft | Grüner Hof 2, Ulm | vollständig erhalten | Staatliches Hochbauamt | |
| Festungsbauhof Schirrhof |
1845-1858 | zwischen Jahnufer und Silcherstraße, Neu-Ulm | vollständig zerstört | Westhälfte des Donaucenter-Hochhauses | |
| Friedensspital am Gaisenberg | 1862-1866 | zwischen Frauensteige und Prittwitzstraße, Ecke Eythstraße, Ulm | zu großen Teilen erhalten | Kliniken am Michelsberg, u.a. Frauenklinik | |
| Friedensspital Neu-Ulm | 1862-1866 | Jahnufer, östlich der Bahnlinie, auf dem Gelände des heutigen Edwin-Scharff-Hauses | vollständig zerstört (1975) | Edwin-Scharff-Haus Hotel Golden Tulip |
|
| Geschossmagazin VI | 1890 | bei Grimmelfinger Weg 14, Weststadt | vollständig erhalten | ? | |
| Geschossmagazin VII | 1890 | Grimmelfinger Weg 12, Weststadt | vollständig erhalten | Fa. Herceg Zimmerei Joachim Fensch |
|
| Geschützrohrschuppen Bastion 5 | um 1880 | Memminger Straße auf Höhe Meininger Allee, Neu-Ulm | vollständig zerstört | — | |
| Geschützrohrschuppen Wilhelmsfeste | um 1880 | an der Courtine XIII, Ulm-Stadtmitte | vollständig zerstört | — | |
| Heumagazin Neu-Ulm | um 1880 | Uferstraße, hinter der Halbbastion 1, Neu-Ulm | vollständig zerstört | — | |
| Heumagazin Ulm | um 1880 | hinter der Courtine XXII, Ulm-Stadtmitte | vollständig zerstört | — | |
| Kaiserliche Fortifikation | 1876-1879 | Ecke Syrlinstraße / Zeitblomstraße, Ulm | zum Teil erhalten | Wohngebäude Syrlinstraße 12 und Zeitblomstraße 34 | |
| Kaiserliche Kommandantur | 1876-1879 | Ecke Neutorstraße / Olgastraße, Ulm | vollständig zerstört | Bürogebäude, u.a. Deutsche Bundesbank | |
| Katholische Garnisonskirche Neu-Ulm St. Johann Baptist |
1857-1860 umgebaut 1922-1927 |
Johannesplatz 4, Neu-Ulm | vollständig erhalten | Katholische Stadtpfarrkirche St. Johann Baptist | ![]() |
| Katholische Garnisonskirche Ulm St. Georg |
1902-1904 | Beethovenstraße 1, Ulm | vollständig erhalten | Katholische Stadtpfarrkirche St. Georg | |
| Kriegslaboratorium | 1865 | Ecke Schülinstraße / Gutenbergstraße (ehem. Wielandplatz), Ulm | vollständig zerstört | Studentenwohnheim Gutenbergstraße 6 | |
| Lafettenstadel Courtine 6 | um 1880 | Turmstraße, Neu-Ulm | vollständig zerstört | — | |
| Lafettenstadel Ehinger Tor | um 1880 | Ehinger Straße, Ulm | vollständig zerstört | — | |
| Lafettenstadel Wilhelmsfeste | um 1880 | an der Courtine XIII, Ulm | vollständig zerstört | Bundeswehr (Teil der Wilhelmsburgkaserne) | |
| Militärarresthaus | 1889 | Frauenstraße 134 / Holzstraße 11, Ulm | vollständig erhalten | Arbeitskreis Ausländische Kinder e.V. Bedreaga Vasile Beva Casa Lorca Freunde der spanischen Kultur e.V. |
|
| Munitionsanstalt Eselsberg | 1901 | Mähringer Weg 75, am Fort Unterer Eselsberg, Eselsberg | vollständig zerstört | Reihenhaus-Siedlungen | |
| Munitionsanstalt Oststadt | 1865 | Ecke Schülinstraße / Gutenbergstraße (ehem. Wielandplatz), Ulm | vollständig zerstört | Studentenwohnheim Gutenbergstraße 6 | |
| Nebenartilleriedepot ab 1934 Heereszeugamt Neu-Ulm |
1893 | Ecke Lessingstraße / Kammer-Krummen-Straße, Neu-Ulm | Lafettenstadel erhalten | Oldtimerfabrik Classic Discoviertel (u.a. Simarik) Industrie- und Gewerbegebiet |
|
| Offizierskasino Karlstraße |
um 1880 | Karlstraße 72, Ulm | vollständig erhalten | Offiziersheim | |
| Offizierskasino Michelsbergstraße |
um 1880 | Michelsbergstraße 12, Ulm | vollständig erhalten | Seniorenzentrum Elisabethenhaus | |
| Offizierskasino Neu-Ulm |
um 1880 | Maximilianstraße, Neu-Ulm | vollständig zerstört (1945) | Wohngebäude Donaustraße 28 | |
| Offizierskasino Weststadt |
um 1880 | Zinglerstraße 70, Weststadt | vollständig erhalten | Fa. Eurotrade Fa. F & O Interfreight Fa. Landsiedlung Baden-Württemberg Fa. LBBW Immobilien |
|
| Proviantamt Neu-Ulm |
1849-1864 | zwischen Jahnufer und Krankenhausstraße, Magazin 2 an der Ecke Silcherstraße / Krankenhausstraße, Neu-Ulm | Magazine 1 und 3 großteils erhalten | Flussmeisterei Fa. Lebkuchen Weiss (Altbauten) |
|
| Proviantamt Ulm |
1860-1862 | zwischen Keplerstraße und Frauenstraße an der Karlstraße, Ulm-Stadtmitte | zum Teil erhalten | Fa. Brauerei Gold Ochsen | |
| Packmittelschuppen | 1890 | bei Egginger Weg 15, Weststadt | vollständig erhalten | — | |
| Pulvermagazin IV | 1890 | Grimmelfinger Weg 28, Weststadt | vollständig erhalten | — | |
| Schießbahn Lehrer Tal |
um 1880 | Lehrer-Tal-Weg, Ulm-Eselsberg | vollständig zerstört | — | |
| Schießbahn Oberer Kuhberg |
um 1880 | Am Hochsträß, vor der rechten Front des Forts Oberer Kuhberg, Ulm-Weststadt | vollständig erhalten | — | |
| Schlachthaus Neu-Ulm |
um 1880 | Uferstraße, hinter der Halbbastion 1, Neu-Ulm | vollständig zerstört | — | |
| Schlachthaus Ulm |
um 1880 | Hildegard-Knef-Platz, Oststadt | vollständig zerstört | Hotel Maritim Congress Centrum Ulm |
|
| Schuppen 7, 9 und 12 | 1890 | Egginger Weg 15, Weststadt | zum Teil erhalten | — | |
| Übungsplatz Fort Albeck |
um 1880 | Eichengrund, Böfingen | zum Teil erhalten | — | |
| Übungsplatz Lerchenfeld |
um 1880 | Lerchenfeld, Mähringen | in Betrieb | Truppenübungsplatz der Rommelkaserne Dornstadt | |
| Übungsplatz Ludwigsvorfeste |
um 1880 | Wileystraße, Ludwigsfeld | zum Teil erhalten | Parkgelände, Sportplatz, Hochschule Neu-Ulm | |
| Übungsplatz Oberer Eselsberg |
um 1880 | Berliner Ring, Eselsberg | zum Teil erhalten | — | |
| Wasserübungsplatz Friedrichsau |
um 1880 | linkes Donauufer an der Friedrichsau, Oststadt | vollständig zerstört | — | |
| Zivilarresthaus | um 1890 | Ecke Wielandstraße / Talfinger Straße, Oststadt | vollständig erhalten | Justizvollzugsanstalt Ulm |