


Ein Gewicht von knapp zwei Kilo, die Größe eines DIN-A4-Blattes und eine Bauhöhe von 2,7 cm - so könnte man die Eckdaten eines modernen Netbooks zusammenfassen. Nur: Dieses Notebook kam bereits Ende 1990 heraus und hat den Namen „ST-Book“ (Modell NST-141). Die Technik in diesem Flachmann war damals vom Feinsten: 2½"-Festplatte, Zeitschaltung, pseudostatisches RAM (behält die Daten auch nach dem Ausschalten des Rechners), und nur 1½ Stunden Ladezeit für den Akku. Im Innern werkelt ein stromsparender CMOS-68000-Prozessor mit 8 MHz Taktfrequenz. Das Display-Modul ist das gleiche wie beim Stacy - ein EPSON Custom Module, nur ist es beim ST-Book nicht mehr hintergrundbeleuchtet, was eine Menge Energie und Platz spart. Zusätzlich wurde auf ein Diskettenlaufwerk verzichtet - stattdessen läuft die Datenübertragung per Linkkabel und der Software „ST-Trans“. Als Mausersatz kommt hier ein sogenanntes „Vector-Pad“ zum Einsatz - eine Mischung aus Joypad und Touchpad. Und obwohl der enge Raum schon recht vollgestopft ist, ist immer noch Platz für ein Faxmodem (direkt unter dem Vectorpad) - es ist nur nie eins dafür erschienen. Die 40-MB-Festplatte von Conner hat eine Zugriffszeit von 19 ms. Der Akku hält je nach Anwendung 5-10 Stunden. Als ROM-Port-Ersatz dient ein 120-poliger Erweiterungsbus - links unterhalb der Tastatur - der alle ROM- und noch mehr Leitungen nach außen bringt. Man könnte auch noch eine externe Maus anschließen, es gibt nur leider keine - die Schnittstelle dafür liegt rechts an der Tastatur. Mehrere altbekannte ST-Schnittstellen sind hier aber nicht mehr oder in veränderter Version vorhanden, einzig der Druckerport behielt seine Form. Die MIDI-Schnittstellen sind MiniDIN-Buchsen, wie man sie etwa von PS/2-Mäusen her kennt. Der ACSI-Port und die Floppy-Schnittstelle wurden zusammengefaßt, der serielle Port ist 9- statt 25-polig, und Joystick- sowie Monitorports sind gar nicht mehr vorhanden. Das fest eingebaute Betriebssystem entspricht dem TOS 2.06 vom Mega STE mit einigen Modifikationen (z.B. fest eingebaute ROM-Disk - dort befindet sich das ST-Trans-Programm – die ST Book-Versionsnummer ist 2.08). Und der Blitter wurde zusammen mit der MMU in einen Chip, genannt „Combo“, zusammengefasst. Mit Arbeitsspeicher war man bei Atari im ST-Book allerdings nicht so großzügig, es wurde nur mit 1 MB ausgeliefert. Eine Aufrüstung auf 4 MB ist möglich. Vom ST-Book wurden nur etwa 1000-1200 Stück hergestellt - es gilt somit als eins der seltensten Notebooks weltweit.

Anschlüsse des Prototypen, von links nach rechts:
MIDI out, MIDI in, serielle Schnittstelle, Parallelport,
ACSI/Floppy-Port
Beim Serienmodell liegt der ACSI/Floppy-Port zwischen MIDI in und der
seriellen Schnittstelle, außerdem befindet sich ganz links
die Netzteilbuchse.

Technische Daten
| Prozessor | Motorola 68HC000 |
| Taktfrequenz | 8 MHz |
| Arbeitsspeicher (max.) | 1 MB (4 MB) |
| Festspeicher | 512 kB |
| Grafikchip | Atari Shifter + Atari Blitter (im Combo-Chip) |
| Auflösung (Farben) | 640 × 400 (2) |
| Farbpalette | 512, effektiv nur 2 nutzbar |
| Display | Epson Custom Modul, LCD monochrom, 11" |
| Soundchip | Yamaha YM-2149 |
| Soundkanäle | 3 PSG + 1 Rauschgenerator |
| Festplatte | 2½" IDE, 40 MB |
| Tastatur | Schreibmaschine, 74 Tasten + 10 Funktionstasten |
| Akku | 7.2V 1700 mAh, Ladezeit 1½ h, Laufzeit 5-10 h |
| Start | Dezember 1990 |
| Stopp | 1992 |



